Natur- und Gartentipp Mai: Was tun mit aus dem Nest gefallenen Jungvögeln? Wie verhalte ich mich richtig?
Außerdem: Pflanzen Sie Glockenblumen für die Wildbiene des Jahres, die Glockenblumen-Schmalbiene (Lasioglossum costulatum)


Wie in jedem Frühsommer erreichen mich auch dieses Jahr wieder zahlreiche Anrufe von besorgten Bürgern, die aus dem Nest „gefallene“ Jungvögel im Garten, im Hof oder auf der Straße finden und die diesen vermeintlich hilflosen Geschöpfen helfen möchten. Aber wie?

So verhalten Sie sich richtig: erst einmal ehrt es Sie sehr (!), dass Sie das Tier überhaupt bemerken und dem kleinen Piepmatz helfen wollen. Aber in den meisten Fällen sind die Tierchen gar nicht so hilflos wie sie scheinen und werden von ihren Eltern, mit denen sie in dauerndem Rufkontakt stehen, auch außerhalb des Nestes weiter gefüttert, bis sie schließlich richtig fliegen und sich selbständig mit Futter versorgen können.

Sie sollten diese sogenannten Nestlinge (aus dem Nest gefallen) oder Ästlinge (freiwillig aus dem Nest gehüpfte flügge Jungvögel) deshalb sitzen lassen, wo sie sind.

Flügges Hausrotschwänzchen döst in der Sonne und wartet auf seine fütternden Eltern (Foto: CB)

Nur wenn die Tiere auf der Straße sitzen oder von Katzen und/oder Hunden bedroht sind, sollten Sie sie vorsichtig hochnehmen und auf einen Ast, in eine Hecke, ein Gebüsch oder in eine geschützte Grünfläche setzen, die möglichst nah am Fundort liegen (Entfernung zum Fundort möglichst nicht mehr als ca. 20-30m). Es ist kein Problem, wenn Sie die Vögelchen dabei berühren.

Dann können Sie in ausreichendem Abstand beobachten und hören, wie der Jungvogel mit seinen Bettelrufen versucht, seine Eltern herbeizurufen. (Wenn Sie zu nah dran bleiben, wird sich der Vogel nicht bemerkbar machen, weil er Sie für eine Gefahr hält).

Sollten sie einen Jungvogel bereits in eine Kiste gesetzt und vom Fundort entfernt haben, bringen Sie ihn bitte schnell zurück und setzen Sie ihn in einem geschützten Bereich (s.o.) am oder nahe des Fundortes wieder aus. Die Eltern suchen bis zu 24 Stunden nach ihm und werden ihn wiederfinden und weiter versorgen.

Wenn die Tiere verletzt sind, oder innerhalb einer bis zwei Stunden nicht mehr von ihren Eltern versorgt werden, können Sie sie in einen Karton mit Luftlöchern setzen und bei der nächsten Auffangstation nachfragen, ob diese das Vögelchen aufnehmen können. In unserem Fall wäre das die:

NABU Pflege- und Ausgewöhnungsstation
Haßloch
Telefon: 0171/2858257

(Der NVV Dudenhofen e.V. kann diese Aufzucht leider nicht übernehmen. Uns fehlt es da an der nötigen Ausstattung).

Öko-Info:
Das frühzeitige Verlassen des Nestes ist bei vielen Vogelarten eine wichtige Strategie zur erfolgreichen Fortpflanzung. Es steigert die Überlebenschance der dadurch in einem größeren Gebiet verteilten Ästlinge, weil mögliche Beutegreifer wie Katzen, Marder oder Rabenvögel nicht mehr alle Jungvögel auf einmal finden und fressen können.


Thema Naturgarten

Gehen wir von den zweibeinigen zu den sechsbeinigen Fliegern. Ich möchte ich Ihnen die Wildbiene des Jahres 2026 vorstellen: die Glockenblumen-Schmalbiene (Lasioglossum costulatum). Sie ist eine der ca. 600 verschiedenen, in Deutschland vorkommenden Wildbienenarten (sie heißen so, weil sie im Gegensatz zur Honigbiene nicht domestiziert sind). Obwohl sie unsere effektivsten und wertvollsten Bestäubungsinsekten sind, werden bereits mehr als die Hälfte der Wildbienenarten auf der Roten Liste der gefährdeten Arten geführt.

Alle Bienen sind vegetarisch und versorgen ihre Larven v.a. mit proteinreichem Blütenpollen. Die Honigbiene ist dabei nicht wählerisch. Alle Pflanzen, egal ob heimisch oder exotisch, werden besucht. Hauptsache es sind Blüten dran, die Pollen und Nektar produzieren. Bei vielen ihrer wilden Verwandten ist das anders: ca. 1/3 der Wildbienenarten sind im Bezug auf ihre Pollenquellen sehr wählerisch: sie können nur den Blütenpollen einer bestimmten Pflanzengattung oder Pflanzenfamilie nutzen, da ihre Larven andere Pollen nicht verdauen bzw. vertragen können. Ein weiteres Drittel der Wildbienen kann nur 2 bis 4 verschiedene Pflanzenfamilien nutzen.

Die Glockenblumen-Schmalbiene gehört zur ersten Gruppe, und beerntet ausschließlich Glockenblumen und das nah verwandte Berg-Sandglöckchen. Die hübsche, nur ca. 1cm lange Wildbiene braucht also einheimische Glockenblumen zum Überleben.

Die kleine Wildbiene ist glänzend schwarz. Nur am Hinterleib hat sie seitlich ein paar weiße Haarflecken bzw. -bänder. Den meist weißlichen Pollen der Glockenblumen sammelt sie mit der dichten Behaarung ihrer Hinterbeine.

Foto: Weibchen der Glockenblumen-Schmalbiene auf ihrer Pollenfutterpflanze (Foto: Gerd Reder, NABU-Homepage)

Die Glockenblumen-Schmalbiene ist eine von mehr als 70 Schmalbienenarten, die in Deutschland vorkommen. Alle diese Schmalbienen sind eher klein (3,5-11mm) und meist unauffällig bräunlich oder schwarz gefärbt.

Wie die meisten Wildbienenarten lebt die Glockenblumen-Schmalbiene solitär, bildet also im Gegen-satz zur Honigbiene keine Staaten und kommt natürlicherweise da vor, wo es Glockenblumen und offene Bodenstellen, z.B. Abbruchkanten aus Lösslehm oder Sand gibt, die sie zur Anlage ihrer Bodennester benötigt. Beides, Glockenblumen als Futter-/Pollenquellen und Niststandorte müssen im nahen räumlichen Verbund vorhanden sein, denn die kleine Biene fliegt aus energetischen Gründen nicht sehr weit. Man findet bzw. fand sie v.a. an blühenden Bahndämmen, Sand- und Kiesgruben, Mähwiesen, Magerrasen und Wegrändern.

Da draußen in der Natur sowohl die Standorte der Glockenblumen als auch die vegetationsarmen Abbruchkanten immer weniger werden und auch in unserer Gemeinde kaum mehr zu finden sind, rufen wir Sie auf, diese hübschen kleinen Bienchen im eigenen Garten zu unterstützen:

Pflanzen Sie heimische Glockenblumenarten in den Garten, in ihre Kübel oder Blumenkästen!

Sie machen sich mit dieser überaus hübschen Pflanzenfamilie auch selbst eine große Freude. Ihre blauvioletten bis weißen verschieden großen Glöckchen sind einfach wunderschön! Es gibt mehrere, sehr verschiedene heimische Glockenblumenarten, von denen die meisten halbschattige und sogar schattige Standorte bevorzugen, einige wachsen aber auch in der Sonne. Es ist folglich für jeden Standort etwas dabei.

Besonders schön ist die filigrane, luftig wachsende Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia) eine meiner Lieblingspflanzen. Sie blüht sehr früh und reckt ihre kleinen hübschen blauvioletten Glöckchen bereits im März/April bis zu 30cm in die Höhe, blüht aber bis Oktober/November nach.

Foto: die Rundblättrige Glockenblume (Nachblüte) bevorzugt mageres Substrat (Foto: CB)

Eine der größten Vetreterinnen der Glockenblumen-Familie ist die Pfirsichblättrige Glockenblume (Campanula persicifolia). Sie wird 50cm bis 80cm hoch und ihre von Mai bis Juni/Juli erscheinenden großen Blüten erreichen eine Länge von bis zu 4cm.

Foto: Pfirsichblättrige Glockenblumen in violett (Foto: CB)

Das nutzt auch unserer größten Wildbiene, der Blauschwarzen Holzbiene (Xylocopa violacea), die regelmäßig in den Glockenblüten zu finden ist. Durch ihre Ausläufer verbreitet sich die Pfirsichblättrige Glockenblume im ganzen Garten und je mehr Exemplare es werden, desto mehr verschiedene Farbvarianten erhält man durch natürliche Mutationen: von verschiedenen Violetttönen über hellblau bis weiß ist alles dabei. Ein echter Traum ! Übrigens: angeblich fühlt sich die Art im Halbschatten wohl, bei mir wächst sie überall: von schattigen bis vollsonnigen Standorten.

Foto: Blauschwarze Holzbiene an Pfirsichblättriger Glockenblume (Foto: CB)

Weitere, später blühende und ebenfalls wunderschöne Glockenblumenarten sind die Acker-Glockenblume (Campanula rapunculoides), die Knäuel-Glockenblume (Campanula glomerata) und die Rapunzel-Glockenblume (Campa-nula rapunculus), alle drei mittelgroß (30-60cm) und für den Halbschatten und lichten Schatten geeignet oder die beiden Vollschattenarten Breitblättrige (Campanula latifolium) und Nesselblättrige Glockenblume (Campanula trachelium). Sie sehen, die Auswahl ist groß und schwer… Am besten Sie bestellen sie gleich bei einem zertifizierten Wildpflanzenhändler für echte Wildstauden wie der Wildpflanzengärtnerei Strickler in Alzey oder der Wildpflanzengärtnerei Stauden-Spatz in Ober-hausen…

Die Blüten der Glockenblumen haben übrigens noch eine andere Funktion: sie dienen vielen Wildbienen u.a. Insekten als geschützter Schlafplatz. Die Bienchen krabbeln am Abend in die Blüten hinein, beißen sich an deren Boden fest und lassen erst am nächsten Morgen bei steigenden Temperaturen wieder los. Auch das können sie in ihrem Naturgarten(kübel) beobachten.

Wenn Sie es richtig gut machen wollen, sorgen Sie in ihrem Garten außerdem für kleine Rohboden-standorte ohne Bewuchs, evtl. als kleine ost- oder südostexponierte Böschungen, 30cm reichen da schon aus. Dann findet die Glockenblumen-Schmalbiene auch noch geeignete Nistmöglichkeiten in ihrem Garten

Nebenbei bemerkt gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Wildbienenarten aus den Gattungen der Sandbienen, der Scherenbienen, der Glanzbienen, der Sägehorn- und der Mauerbienen, die ihren Pollen ausschließlich von Glockenblumen sammeln und die Sie durch die Pflanzung von Glockenblumen natürlich ebenfalls unterstützen.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Aussuchen, Pflanzen und beobachten.

Mit naturverbundenen Grüßen,
Ihre Christiane Brell, Natur- und Vogelschutzverein Dudenhofen


STECKBRIEF
Glockenblumen-Schmalbiene (Lasioglossum costulatum)

Größe: ca. 1cm lang
Aussehen: tief schwarz und glänzend, mit weißen Haarflecken am Hinterleib
Lebensraum: Binnendünen, Waldränder, Bahndämme, Sand- und Kiesgruben, Mähwiesen, Sand- und Kalkmagerrasen, Hohlwege, früher auch Wegränder, Gärten sofern Glockenblumen und offene Bodenstellen auf Sand oder Lösslehm nebeneinander vorkommen
Nahrung: erwachsene Biene ernährt sich vom Nektar der Glockenblumen („Flugbenzin“) und sammelt Pollen von Glockenblumengewächsen für ihre Larven
Zoologische Einordnung: gehört zur Gattung der Schmalbienen
Fortpflanzung: solitär (nicht staatenbildend wie die Honigbiene); Weibchen legen unterirdische Brutzellen an, nistet gerne in Steilwänden und Abbruchkanten

Natur- und Gartentipp Mai: Was tun mit aus dem Nest gefallenen Jungvögeln? Wie verhalte ich mich richtig? Außerdem: Pflanzen Sie Glockenblumen für die Wildbiene des Jahres, die Glockenblumen-Schmalbiene!

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