Natur- und Gartentipp April: Hilferuf des Rebhuhns und anderer Feldtiere: wie Sie die Tiere der Feldflur unterstützen können.
Schon ist es April und Zeit für einen kleinen Exkurs in die Dudenhofener Feldflur. Der NVV hat hier fast 25ha Flächen gepachtet bzw. gekauft, um sie vor Rodung, intensiver Nutzung und v.a. vor der Verpackung in Plastikfolie zu schützen. Wir erhalten sie damit als Lebensräume für unsere heimischen Mitgeschöpfe.
Auf einigen dieser Flächen sind erfreulicherweise noch ein paar Rebhühner zu finden. Das Rebhuhn ist der Vogel des Jahres 2026. Es gehört zur Gruppe der sog. Feldvögel. Rebhühner, ursprünglich Steppenbewohner und dann Kulturfolger geworden, waren noch vor einem Menschenleben zuhauf in der überwiegend sandigen Feldflur Dudenhofens zu finden. Sie haben sich hier einmal richtig wohl gefühlt. Heute ist das leider nicht mehr so…
V.a. durch die Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung, in deren Folge die Flächen in jeder Hinsicht vereinheitlicht, der Boden nivelliert und überdüngt und die meisten Kleinstrukturen wie Hecken, Strauchgruppen, Brachen, Säume, Blüh- und Altgrasstreifen beseitigt wurden, haben die Feldvögel u.a. Feldtiere überlebenswichtige Teile ihres Lebensraumes verloren. Durch Folienanbau und die sich rasend schnell vermehrenden Folientunnel gehen die Flächen als Lebensraum für Feldtiere quasi vollständig verloren.
In der Folge sind viele Feldvögel inzwischen sehr stark gefährdet und erleben in Deutschland seit 1980 dramatische Bestandsrückgänge: während das Rebhuhn um 91% zurückgegangen ist, sind beim Kiebitz sogar 93% der Tiere verschwunden und auch die Feldlerche hat mehr als die Hälfte (55%) ihrer Bestände eingebüßt. (Quelle: NABU).
Die Wahl des Rebhuhns zum Vogel des Jahres 2026 macht stellvertretend auf diese zunehmende Misere für alle Feldvögel und auch für die anderen Feldtiere aufmerksam.

Steckbrief Rebhuhn (Perdix perdix):
Größe: 28-32cm
Aussehen: wie ein kleines Hühnchen, Weibchen mit braun-grau-weiß gemustertem perfektem Tarnkleid für Bodenleben, Männchen (Hähne), wie Weibchen aber mit auffälligem braunen Brustfleck
Lebensraum: Feldflur mit prädatorensicheren (großflächigen, gut vernetzten) Versteckmöglich-keiten wie mehrjährigen Bracheflächen, Hecken mit vorgelagerten Säumen, Blüh- und Altgras-streifen, sandigen Stellen für Sandbäder
Nahrung: überwiegend vegetarisch (Grasspitzen, Wildkräutersamen und Getreide) und kleine Steinchen als Verdauungshilfe. Die Küken benötigen in den ersten Lebenswochen – wie fast alle Jungvögel – tierische Kost und suchen v.a. nach Insekten und Spinnen.
Ruf: Hähne in der Morgen- und Abenddämmerung
zoologische Einordnung: gehört zu den Hühnervögeln
Fortpflanzung: monogam, Gelege mit bis zu 20 Eiern, die vom Weibchen Mitte/Ende April bis Anfang/Mitte Mai ausgebrütet werden. Nestflüchter. Küken bleiben bis zum Winter mit ihren Eltern in Familienverbänden zusammen (sog. „Ketten“).
Was wir als NVV Dudenhofen für die Tiere der Feldflur tun:
Damit wir alle auch zukünftig diese schönen Tiere beobachten und dem sommerlichen Singen der Feldlerchen lauschen können, bemühen wir uns darum, auf unseren Flächen die Lebensräume und wichtigen Kleinstrukturen der Feldtiere zu erhalten.
U.a. haben wir einige unserer Flächen in der Agrarlandschaft zu Bracheflächen und dünn angesäten Getreideäckern umgebaut, die erst spät abgeerntet und als Stoppelfelder erhalten bleiben. Ein wertvoller Lebensraum und großflächige Deckungen für Feldbewohner wie das Rebhuhn, die Feldlerche aber auch Nahrungsraum für den Feldhamster und den Feldhasen. Natürlich werden auch die von uns gepflegten Wiesen, Hochstaudenfluren, Hecken und Streuobstbestände von diesen Tieren genutzt.
An dieser Stelle geht ein ganz großes Dankeschön an die freiwilligen Helfer unserer Aktionsgruppe, die v.a. im Winterhalbjahr unter der Leitung von Sven Ofer allwöchentlich am Freitagvormittag unsere Flächen pflegen: durch Mahd, Gehölzrückschnitt, Neueinsaaten, Baum- und Strauchpflanzungen, Anlegen von Kleinbiotopen wie Eidechsenburgen und, leider immer wichtiger, dem Wässern der neu gepflanzten Gehölze schaffen und erhalten die Aktiven unsere Biotopflächen für die heimischen Wildpflanzen und Wildtiere. Auf unserem Facebook-Account (KOMMT NOCH) erzählen wir regelmäßig davon. Haben Sie Lust ab und zu mal mitzumachen? Dann können Sie sich hier melden: info@nvv-dudenhofen.de oder unter
Aber auch durch Ihre passive Mitgliedschaft (Beitrittsformular), durch die Verpachtung oder den Verkauf von Grundstücken an den NVV und durch Spenden unterstützen Sie unsere Arbeit, ermöglichen uns den Kauf von Gehölzen u.a. Materialien und tragen damit zum Erhalt dieser so wichtigen Lebensräume bei. Vielen Dank Ihnen allen!
Wie Sie in Ihren Gärten, auf Ihren Terrassen oder Balkonen helfen können (Stichwort Selbstwirksamkeit):
Leider können Sie weder in Ihrem Garten und schon gar nicht in einem Blumenkasten zum direkten Erhalt des Rebhuhns und anderer größerer Feldtiere beitragen. Aber, Sie ahnen es sicher schon: die Liste der Feldtiere beschränkt sich nicht auf Feldvögel, Feldhasen und Feldhamster….
Natürlich gibt es da auch das große Heer der kleineren Tiere, der Eidechsen, der Insekten (viele Heuschrecken, Käfer, Wildbienen, Grabwespen, Schmetterlinge), der Spinnen u.a. Krabbeltiere, die einst in der Feldflur zu Hause waren, und deren Raumansprüche meist viel kleiner sind, als die ihrer größeren Verwandten. Sie haben u.a. wichtige Funktionen in der Nahrungskette oder als Bestäuber unserer Wild- und Kulturpflanzen.
Sie sind durch die beschriebenen Begleiterscheinungen der intensiven Landwirtschaft leider genauso gefährdet wie Rebhuhn & Co, aber diese Tiere können Sie in Ihrem Garten unterstützen: v.a. durch die Aussaat oder Pflanzung heimischer Wildpflanzen, die als Futterpflanzen für die heimischen Wildtiere unerlässlich sind (Koevolution, s.a. Monatstipp Februar), aber auch durch die Schaffung von Standortvielfalt in ihrem Garten.
Was meine ich damit?
Sie können den monotonen, eingeebneten Äckern etwas entgegensetzen. Sorgen Sie in Ihrem Garten für kleinräumige Standortsunterschiede: kleine Senken (feuchter) und kleine Wälle/Hügel (trockener) mit Böschungen (Übergangszonen) schaffen nicht nur unterschiedlich feuchte/trockene sondern auch sonnige und absonnige Plätze. Da reichen schon 30-50cm Höhenunterschied! Legen Sie z.B. ein kleines Hügelbeet für Wildblumen an, am besten mit magerem, nährstoffarmem Boden.
Für jeden Standort gibt es unterschiedliche Wildplanzen, die sich genau dort besonders wohlfühlen und damit natürlich auch verschiedene, zu diesen Pflanzen gehörende Tiere. Je mehr verschiedene Standorte, desto mehr verschiedene Wildpflanzen, desto mehr verschiedene Wildtiere, ergo: Standortvielfalt schafft Artenvielfalt.
Entsprechend empfehle ich Ihnen heute ein paar wertvolle und wunderschöne heimische Wildpflanzen für verschiedene Standorte in Ihrem Garten oder in ihren Kübeln:
Große Sternmiere (Stellaria holostea) und Wald-Vergissmeinnicht (Myosotis sylvatica) fühlen sich im Schatten auf frischen Standorten wohl und halten auch dem Wurzeldruck von Gehölzen stand. Sie können deshalb vor bzw. unter Gehölze gepflanzt werden, wo sie sich mit Samen und oberirdischen Ausläufern ausbreiten, wenn der Standort passt. Beide blühen im April/Mai und passen farblich wunderbar zusammen.

Das leuchtende Weiß der 10-30cm hoch werdenden Sternmieren-Teppiche bildet einen Rahmen für die zunächst zart rosafarbenen und dann himmelblauen Blüten der 20-40cm hohen Horste des Wald-Vergissmeinnicht. Natürlich sind beide Arten wichtige Nahrungspflanzen für Insekten: die Sternmiere ernährt verschiedene Sand- und Schmalbienen und ist für Raupenfutterpflanzen für mind. 7 Schmetterlinge. Das zweijährige Wald-Vergissmeinnicht lockt mit den kräftiggelben kreisförmigen Schlundschuppen im Blüteninnern v.a. langrüsselige Wildbienen, Schwebfliegen und Fliegen sowie Falter und Honigbienen an. Das Verblassen der Schlundschuppen im Alter sagt: hier ist kein Nektar mehr zu holen, bin bereits bestäubt.
Die wunderschöne, ca. 30-60cm hoch werdende Berg-Flockenblume (Centaurea montana) benötigt nur wenig Licht und wächst deshalb im Halbschatten (bei mir im Garten sogar im Schatten).

Sie zieht Insekten magisch an: 86 Wildbienen-, 30 Schmetterlings- und 18 Schwebfliegenarten sind bisher an ihren rosa-dunkelblauen Blüten gezählt worden, die sie von Mai bis Juli produziert. In einigen Bundesländern ist die Berg-Flockenblume leider sehr selten geworden und steht auf der Roten Liste. In RLP ist sie noch nicht als gefährdet eingestuft.
Auch die filigran erscheinende, ca. 40cm hoch werdende Frühlings-Platterbse (Lathyrus vernus) eignet sich für den Halbschatten und zur Unterpflanzung von Bäumen und vermehrt sich gemächlich über Ausläufer und Samen. Ihre leuchtenden hellpurpurvioletten Schmetterlingsblüten, die im April und Mai in locker-traubigen Blütenständen erscheinen, locken 62 verschiedene Wildienenarten an, davon 20 Arten, die auf die Platterbse spezialisiert sind.

Ihre hellgrünen Blätter dienen mindestens 5 verschiedenen Schmetterlingsraupen als Nahrungsgrundlage. Die Frühlings-Platterbse ist in der Roten Liste der Farn- und Blütenpflanzen RLP leider als gefährdet eingestuft.
Die Gemeine Akelei (Aquilegia vulgaris) präsentiert ihre blauvioletten gespornten Blüten in ca. 60-80cm Höhe von April bis Juni. Auch sie eignet sich für halbschattige, eher nährstoffreiche Standorte und breitet sich durch Selbstaussaat im Garten aus. Da sie ihren Nektar tief im Innern ihrer Blütensporne versteckt, können sich nur langrüsselige Insekten wie Schmetterlinge und manche Hummelarten daran erfreuen.

Kleinere kurzrüsselige Hummeln sind aber gewitzt genug, den Sporn einfach aufzunagen und so an den heiß begehrten Nektar zu gelangen. Sie bereiten damit das Buffet auch für einige andere kurzrüsselige Wildbienen und Honigbienen.
Die an manchen Stellen leider fast schon wieder verblühte, aber auch mit ihren wunderbar flaumigen Samenständen verzaubernde Gemeine Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris) und die strahlend gelbe, ca. 10-20cm hohe Echte Schlüsselblume (Primula veris) bevorzugen eher sonnige Standorte. Beide Arten stehen auf der Roten Liste.
Die Schlüsselblume dient v.a. zahlreichen Schmetterlingen als Raupenfutterpflanze und erfreut uns und einige langrüsselige Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge mit ihren gelb-orangenen Blüten von April bis Juni.

Sie wandert durch Selbstaussaat langsam durch den Garten.
Die ca. 5-30cm hohe Küchenschelle gibt es nicht nur in Violett, sondern auch als weiße und rote Sorten.

Alle haben leuchtend gelbe Staubgefäße, die Hummeln, Wild- und Honigbienen in Scharen anlocken. Ihre außen seidig zart behaarten Blütenglocken erscheinen je nach Standort bereits von März bis April/Mai. Zwei spezialisierte Nachtfalterarten benötigen ihr Laub als Raupenfutter. Die ganze Pflanze, also auch Stängel und die gefiederten Blätter sind mit diesen seidig zarten Haaren besetzt und es ist ein wunderschönes Gefühl, mit den Fingern darüberzustreichen.
Eine Traumkombination für sonnige, eher trockene Standorte sind das polsterbildende Rote Seifenkraut

(Saponaria ocymoides) und der ca. 30-50cm hoch aufwachsende Große Ehrenpreis (Veronica teucrium). Beide bilden im Mai bis Juni zahlreiche kleine Blüte, die farblich (leuchtend pink und leuchtend blau) wunderbar zusammenpassen. Sie ziehen viele kleine Wildbienen und Schmetterlinge an.

Beide Arten sind in der Natur mittlerweile sehr selten geworden und werden in der Roten Liste als stark gefährdet bzw. auf der Vorwarnliste geführt.
Die letzte Empfehlung für sehr sonnige, trockene und gerne sandige Standorte ist die filigrane, bis ca. 40cm hoch aufwachsende Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias). Ihre von April bis Juni erscheinenden strahlend gelbgrünen Scheinblüten ernähren v.a. viele Schwebfliegen und Käfer. 24 Schmetterlinge legen ihre Eier an der Pflanze ab. Ihre Stängel mit den umlaufenden schmal-linealförmigen Blättchen erinnern an junge Fichtentriebe. Die Zypressen-Wolfsmilch gehört zu den Wolfsmilchgewächsen, die ihren Namen von dem milchigen Saft haben, der bei Verletzungen der Pflanzen austritt
Ich hoffe, ich konnte Sie für die eine oder andere Staude begeistern und wünsche Ihnen viel Spaß beim Einkaufen (z.B. bei der Staudengärtnerei Strickler in Alzey o.a. Staudenproduzenten des VWW*), beim Einpflanzen und beim Beobachten der Pflanzen und der Tiere, die sich mit Sicherheit schnell an den Pflanzen einfinden werden. (*VWW = Verband der deutschen Wildsamen- und Wildpflanzenproduzenten)
Mit naturverbundenen Grüßen,
Ihre Christiane Brell, Natur- und Vogelschutzverein Dudenhofen

Oben: bringt dunkle Ecken zum Leuchten: Große Sternmiere
