Natur- und Gartentipp Februar: Schaffen Sie „Safe Houses“ für einheimische Wildpflanzen und Wildtiere zur Unterstützung der Artenvielfalt


Wir leben in einer Zeit der ökologischen Krisen. Wir betreiben einen ungebremsten Raubbau an unserem Planeten und seinen natürlichen Ressourcen. Wir stehen kurz vor einer globalen ökologischen Katastrophe, v.a. im Hinblick auf den Verlust der biologischen Vielfalt (Biodiversität): die Zahl (Individuendichte) der heimischen Wildtiere und Wildpflanzen wird immer kleiner, viele Arten sind bereits gefährdet und drohen ganz zu verschwinden, genauso wie ihre Lebensräume. Doch kann man als Individuum etwas dagegen tun? Wir behaupten: man kann! Im eigenen Garten, auf der eigenen Terrasse, auf dem eigenen Balkon und sogar im eigenen Blumenkasten vor dem Fenster. Schaffen Sie „Safe Houses“ für unsere heimischen Wildpflanzen und Wildtiere!

Da blüht und summt immer was: buntes Wildpflanzenallerlei in Töpfen: Ehrenpreis, Kuckucks-Lichtnelke, Pechnelke, Bergaster, Karthäusernelke, Rundblättrige Glockenblume, Berg-Sandglöckchen, Küchenschelle, Steinklee, und vieles mehr (Foto: C.B. privat)

Haben Sie (noch) einen konventionellen Garten mit einem ordentlich gepflegten Vielschnittrasen, mit exotischen Blumenrabatten, exotischen Sträuchern und Bäumen und fremdländischen Bodendeckern, der von einer Thuja- oder Kirschlorbeerhecke eingefasst ist? Brauchen Sie viel Zeit für die Gartenpflege und viel Wasser zum Wässern?
Stellen Sie um auf „naturnah“. Holen Sie sich ein Stück Natur in den Garten, auf Ihre Terrasse oder in Ihren Kübel. Sie sparen nicht nur viel Pflegeaufwand und Wasser ein, sie können viele (ent-)spannende Naturbeobachtungen erleben und schaffen eine Oase für einheimische Wildpflanzen und Wildtiere.
Wie wär’s, geben Sie der Natur eine Chance! Versuchen Sie doch einmal ein Stückchen Naturgarten in einer Ecke Ihres Gartens oder in einem Ihrer Kübel, denn jeder m2 zählt!

Wie das geht und was Sie dafür beachten sollten, möchten wir Ihnen im Laufe der nächsten Monatstipps etwas näher bringen und Sie können es in vielen tollen Naturgartenbüchern z.B. von den Biologen Dr. Reinhard Witt und Ulrike Aufderheide nachlesen (z.B. hier in diesem Buchtipp).

Das wichtigste, das Megaprinzip des Naturgartens, zuerst: Bestücken Sie Ihren Garten und Ihre Pflanzflächen mit EINHEIMISCHEN WILDPFLANZEN (Bäume, Wildsträucher, Wildrosen, Wildstauden, Wildgräser, etc.), denn sie sind die Lebensgrundlage für unsere einheimischen Wildtiere, die sich von Ihnen ernähren und dabei meist hoch spezialisiert sind. Fehlen diese Nahrungspflanzen, fehlen auch die davon abhängigen Tiere. Man spricht hier auch von Koevolution, der gemeinsamen Evolution heimischer Pflanzen und Tiere, in der sich diese Anpassungen, Spezialisierungen und Abhängigkeiten im Laufe von Jahrmillionen entwickelt haben.

Mit Forsythien, Blauglockenbaum, Magnolien, Weigelie, Kirschlorbeer oder Thuja können die allermeisten heimischen Tiere ebenso wenig anfangen, wie mit Hortensien, Cosmeen, Lobelien, Geranien und auch nicht mit Sommerflieder, Gauren oder Duftnesseln. Diese und all die anderen in konventionellen Gärten, Terrassen und Balkonen dominierenden exotischen Pflanzen sind keine geeigneten Nahrungspflanzen für unsere einheimischen Tiere: sie passen nicht in unser Ökosystem.
Nur wenige unspezialisierte „Generalisten“ wie unser drittwichtigstes Nutztier, die Honigbiene, außerdem ein paar Hummeln und wenige andere können einige dieser Exoten als Pollen- und v.a. als Nektarquelle nutzen. Die Honigbiene ist aber nicht gefährdet. Um die müssen wir uns Gottseidank (!) noch keine Sorgen machen.
Unter besorgniserregenden Bestandsrückgängen leiden v.a. die vielen spezialisierten Arten, die in allen Insektengruppen (z.B. Wildbienen, Schmetterlinge, Wespen, Schwebfliegen, Fliegen) zahlreich vorkommen und die spezielle einheimische Nahrungspflanzen benötigen, um sich und v.a. ihre Larven zu ernähren. Sie alle erfüllen aber wichtige Funktionen in den Nahrungsnetzen unserer Ökosysteme.
Die frohe Botschaft ist: Genau die können wir in einem Naturgarten, selbst in einem einzigen Blumenkasten, durch die Pflanzung heimischer Wildpflanzen unterstützen. Mit den Wildpflanzen holen wir uns diese Tiere in den Garten und an den Pflanzkübel – oder wie meine sehr geschätzte Kollegin Ulrike Aufderheide in ihrem wunderbaren Buch sagt: Wir können „Tiere pflanzen“ (uneingeschränkte Leseempfehlung!).
Das funktioniert, ich hab‘s probiert, praktiziere es seit Jahren und es gibt mir nicht nur ein gutes Gefühl (Stichwort Selbstwirksamkeit), es macht außerdem viel Spaß, denn es ermöglicht extrem spannende und froh machende Naturbeobachtungen! Ich ermuntere Sie, es einfach auszuprobieren!

Wenn Sie sich jetzt fragen, welche Wildpflanzen Sie auswählen sollen und genauso wichtig, wo Sie diese erwerben können, dann empfehle ich Ihnen die Anbieter und Hersteller des Verband Deutscher Wildsamen- und Wildpflanzenproduzenten. Dort finden sie echte einheimische, sogar regionaltypische Wildpflanzen und deren Samen. (Ein paar Anbieter finden Sie auch in unseren Gartentipps).
Außerdem verspreche ich Ihnen im Bezug auf die Auswahl ökologisch wertvoller und wunderschöner Wildpflanzen weitere Vorschläge und Hilfestellungen in den folgenden Monatstipps hier auf unserer Homepage.


Drei Empfehlungen

Im Februar möchten wir drei ökologisch besonders wertvolle Sträucher empfehlen, mit denen man viele heimische Tiere „glücklich machen“ kann und die man bis spätestens Ende März pflanzen sollte – vielleicht finden Sie irgendwo noch ein geeignetes Plätzchen?

1️⃣ Die Salweide (möglichst männliche Pflanzen mit Kätzchen)

Ihre oft schon Ende Februar bis April gelb blühenden Kätzchen ernähren unsere früh fliegenden Hummelköniginnen und andere frühe Wildbienen (insgesamt 41 Arten) und auch Blaumeisen, die ihren süßen Nektar ebenfalls sehr schätzen. Der Großstrauch ist ein wahres Schlemmerparadies für heimische Insekten, allen voran für Schmetterlinge bzw. deren Raupen: 198 verschiedene Schmetterlingsraupen können sich an den Blättern u.a. Pflanzenteilen sattfressen, davon sind 49 Arten ausschließlich auf der Salweide zu finden. Sie ist einfach ein MUSS für jeden Garten.

Steckbrief:
Salweide (Salix caprea)

  • Nahrungspflanze für mehr als 500 pflanzenfressende Insekten, Milben, Fadenwürmer und Pilze
  • Standortansprüche: Sonne-Halbschatten, mittlerer-feuchter Standort
  • Platzbedarf: Höhe: 4-8m / Breite: 3-6m
  • Pflege: Rückschnitt im Herbst (auf keinen Fall im Frühjahr vor der Blüte!), gut schnittverträglich

2️⃣ Der Eingrifflige Weißdorn

Seine im Mai und Juni erscheinenden vielen kleinen weißen Blüten werden von einem Heer nahrungssuchender Insekten besucht: Hummeln und andere Wildbienen, Honigbienen („Bienenweide“), Wespen, Käfer, v.a. verschiedene Rosenkäferarten, Schwebfliegen u.v.a. tummeln sich im zeitigen Frühjahr auf dem Strauch. Ihr vielstimmiges Summen kann man hören, wenn man sich davor oder darunter stellt und die Augen schließt – einfach wunderbar! Ab September reifen viele kleine roten Beeren, die von mindestens 32 verschiedenen Vogelarten und 5 Kleinsäugern gefressen werden und seine Einstufung als wichtiges Vogelnährgehölz erklären. Seine Dornen gewähren vielen Heckenbrütern einen sicheren Brutplatz.

Steckbrief:
Eingriffliger Weißdorn (Crataegus monogyna)

  • Nahrungspflanze für mehr als 200 pflanzenfressende Insekten, Milben, Fadenwürmer und Pilze
  • Standortansprüche: Sonne-Halbschatten, trockener Standort, klimafest
  • Platzbedarf: Höhe: 5-6m / Breite: 3-5m
  • Pflege: Rückschnitt im Herbst oder im zeitigen Frühjahr

3️⃣ Der Faulbaum

Weil seine kleinen Blüten unscheinbar grünlich gefärbt sind, ist sein Schmuckwert geringer als der der beiden vorgenannten Arten und er kommt in unseren Gärten kaum noch vor. V.a. sein blütenökologischer Wert aber ist groß: während die anderen heimischen Wildsträucher uns mit einem zwar prachtvollen, aber relativ rasch endenden Blütenflor beglücken, blüht der Faulbaum durchgängig von Mai bis August/September und ist deshalb eine fast unerschöpfliche Pollen- und Nektarquelle für Insekten. Und nicht nur das: die Raupen von 30 verschiedenen Schmetterlingsarten haben seine Blätter zum Fressen gern, darunter so wunderschöne Arten wie der Zitronenfalter oder der Faulbaumbläuling. Schon ab August reifen die Beeren und verändern dabei ihre Farbe von grünlich nach schwarz. Sie werden von mindestens 36 Vogelarten gerne gefressen.

Steckbrief:
Faulbaum (Frangula alnus, Rhamnus frangula)

  • Nahrungspflanze für mehr als 120 pflanzenfressende Insekten, Milben, Fadenwürmer und Pilze
  • Standortansprüche: Halbschatten-Schatten, eher frischer bis feuchter Standort
  • Platzbedarf: Höhe: 2,5-5m / Breite: 1,75-3m
  • Pflege: Rückschnitt im Herbst oder im zeitigen Frühjahr

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Auswählen und Pflanzen! Zugegeben, die Wahl ist schwer, am besten, Sie pflanzen alle drei 🙂
Und wenn Sie den Tipp interessant fanden, gucken Sie doch im März wieder rein und empfehlen Sie unsere Homepage weiter!

Mit naturverbundenen Grüßen,
Ihre Christiane Brell, Natur- und Vogelschutzverein Dudenhofen

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